Schutz vor Manipulation durch Loverboy

Sie geben sich als Traumpartner aus, umgarnen minderjährige Mädchen und junge Frauen mit Aufmerksamkeit, Geschenken und Liebesbekundungen. Doch dahinter steckt ein perfides System: Sogenannte Loverboys sind Zuhälter, oft selbst noch Jugendliche oder junge Erwachsene. Sie manipulieren Mädchen und Frauen gezielt und zwingen sie schließlich in die Prostitution. An dieser Stelle greift ein Präventionsprojekt der Frauenberatungsstelle NADESCHDA in Ostwestfalen-Lippe (OWL): Es soll junge Menschen frühzeitig schützen und Fachkräfte handlungsfähig machen.

Die Beratungsstelle in Trägerschaft der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen e.V. (EFHiW) ist seit 1997 Anlaufstelle für Mädchen und Frauen, die von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung betroffen sind. „Wir begleiten Betroffene im Raum Ostwestfalen-Lippe auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben“, sagt Janne Grotehusmann, Projektbeauftragte für NADESCHDA, und ergänzt: „Gleichzeitig macht uns die steigende Zahl junger Frauen, die von der Loverboy-Methode betroffen sind, deutlich: Auch vorbeugende Aufklärung ist dringend notwendig!“

Die Präventionsarbeit wird von November 2025 bis Ende Februar 2026 vom Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert. Geplant sind mindestens drei Schulungen für Fachkräfte an Schulen sowie drei Workshops für Mädchengruppen ab 14 Jahren in OWL. Die Beraterinnen nutzen dabei ein erprobtes Konzept: Es wurde gemeinsam mit Fachberatungsstellen der NRW-Vernetzung gegen Menschenhandel entwickelt. Fachkräfte erhalten Wissen über die Loverboy-Methode und lernen Warnsignale zu deuten. Außerdem bekommen sie konkrete Handlungsoptionen an die Hand. Das Ziel: Junge Menschen stärken, Risiken sichtbar machen und klarstellen, dass die Verantwortung niemals bei den Betroffenen liegt. In den Workshops lernen Mädchen, manipulative Verhaltensmuster zu erkennen und persönliche Grenzen zu setzen. Auch für die Auseinandersetzung mit der eigenen Haltung zu Liebe und Beziehungen ist Raum.

Eine erste Schulung für Lehrkräfte an einer Förderschule fand bereits Ende 2025 statt. Das große Interesse zeigt, wie hoch der Bedarf ist. „Dieses Projekt ist ein wichtiger Baustein: Es trägt Aufklärung dorthin, wo sie gebraucht wird – in die Schulen und zu den Fachkräften, die täglich mit jungen Menschen arbeiten", betont Birgit Reiche, Leitende Pfarrerin der EFHiW. Wer Informationen, Beratung oder Unterstützung sucht, findet bei NADESCHDA und im Netzwerk der Fachberatungsstellen in NRW professionelle Hilfe.

Weitere Informationen

Weitere Informationen gibt es unter www.nadeschda-owl.de.